REUTOFF — Deprivatio
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Ganze fnf Jahre nach "Gute Nacht, Berlin" endlich das neue Album der Moskauer Ambient Industrial / Elektronik Band, die es wie wenig andere verstehen eine wirklich hoffnungslose Atmosphre zwischen Misantrophie und trister Melancholie aufzubauen...
"... Reutov ist eine von Moskaus kleinen Satellitenstdten, die haupt-schlich aus Industrieanlagen besteht. Ihr wird von den Band-mitgliedern, die alle in der Nhe leben, eine ganz besondere Atmosphre zugeschrieben, die man beim Hren der Musik als trbe Industriemelancholie zwischen Zerfall und Science Fiction begreifen knnte; eine Stimmung, wie sie in Deutschland manche alte Hfen oder Gterbahnhfe ausstrahlen. Ein Faible fr den Klang der deutschen Sprache, das sich auch in vielen deutschen Songtiteln ausdrckt, hat aus dem 'v' am Ende der Stadt das doppelte 'f' fr den Bandnamen werden lassen.
Wie immer ist auch dieses REUTOFF-Album eine Antwort auf die Frage, wozu eigentlich Dark Ambient erfunden wurde. Die fantastisch-dstere Stimmung erwchst stets aus der Musik der Russen selbst, und nicht wie bei vielen Genrekollegen aus den groen Worten, die begleitend zur Musik gemacht werden. Aber endlich eine Vernderung "Deprivatio" ist nicht mehr so durchweg archaisch wie noch die ersten Arbeiten, es ist ebenfalls nicht mehr so homogen industriell wie die beiden letzten Alben "Unseen Rituals" (2002) und "Gute Nacht, Berlin!" (2003). Die neue CD ist die bislang dynamischste, abwechslungsreichste, aufregendste und futuristischste Verffentlichung von REUTOFF.
Hypnotisch ist der Beginn. Zum Dauerloop eines Kindersummens gibt eine rauchige, weibliche Sprechstimme auf Englisch Anweisungen, was zu tun ist: "Stellen Sie Sich vor, Sie sitzen in einem riesigen Theater mit schwarzen Sitzen und knnen nur eine einzige Sache sehen..." So dster und geheimnisvoll die ersten Sounds, so beruhigend sind die Worte. Spter passt sich die Musik an und entspannt sich Richtung Downbeat, garniert mit verhuschten Mnnerstimmen und noisigen Geruschen. Der Opener bereitet die futuristische Atmosphre, die das ganze Album durchzieht. Noch hufiger im Verlauf der knapp 73 Minuten kommt sich der Hrer vor, als wrde er durch einen von STANISLAW LEM entworfenen Park lebender Maschinen wandern. Auch das intelligente Songwriting wenn man bei einem zehnmintigen Dark Ambient-Track davon berhaupt sprechen kann offenbart sich gleich zu Beginn. berraschungen wie eine eingeflochtene und beinahe folkige Akustikgitarre sowie versteckte und vertrackte Melodien und Rhythmen machen aus einem langen auch einen sehr abwechslungs-reichen Soundteppich. Es folgt ein eher klassisches Dark Ambient/Noise-Stck, dessen Drones in Verwandtschaft zu SAL SOLARIS gleien und schimmern wie Sonnen im Weltall. Groes Kino, im wahrsten Sinn des Wortes, denn REUTOFF-Alben werden immer gerne mit der Stimmung von Filmmusiken oder Filmen unter anderem "Stalker" von TARKOWSKIJ verglichen. Und selten traf dieser Vergleich so zu wie bei "Deprivatio", auch bedingt durch die technisch hervorragende, satte Produktion.
"American Whores" geht dann wieder einen gnzlich anderen Weg. Die Collage bringt zu einem Bass, der auch MASSIVE ATTACK oder MOBY alle Ehre machen wrde, ganz unterschiedliche Samples zusammen. Musik der 1920er-Jahre, fast eine Minute lang solo. Dazu verdichten sich die Trainerin eines Fitnesskurses und ein Kirchenprediger mit Chor in Kombination mit dem Namen des Songs zu einer infernalischen Amerikakritik. Nie wirken solche Samples belanglos, sie untersttzen bei REUTOFF immer die Atmosphre des Tracks.
Auch der einzige deutsch betitelte Song, "In Die Leere Gehen", ist eines der Highlights: Hier ein strahlendes Universum mit synthetischen Engelschren, dort dstere Gewittercluster, die glauben machen, dass sich die Hlle ffnet fehlt nur noch ein Sample von Luzifer persnlich. "Sun Of Sleepless" ist mit seinen knallenden und knirschenden Beats eine weitere Empfehlung fr die Macher des nchsten Endzeit-Streifens; mit laut wehenden Fahnen geht die Welt unter. Und zum Abspann verglht "25-th Hour" wie die letzte Moll-Hoffnung eines im futuristischen Kerker eingesperrten VANGELIS. Fr so viele Hhepunkte bersieht man gerne die wenigen schwcheren Momente, etwa die Mischung aus Ethno und Dark Ambient mit piepsigen Loops menschlicher Gerusche ("Nemesis").
Alles an "Deprivatio" atmet russische "Metropolis"-Atmosphre. Das Individuum zwischen Experiment, grenwahnsinniger Industrie, Verlassenheit und Zerfall. Damit ist die neue REUTOFF-Verffentlichung lngst nicht mehr nur ein Stimmungsbericht aus Reutov, sondern ein Abbild des neuen, modernen Russlands. Genreuntypische Experimente, die gekonnte Verknpfung diverser Samples und Abwechslung in Tempo und Klangbild sorgen dafr, dass "Deprivatio" eines der besten und ausdrucksstrksten Dark Ambient-Alben der vergangenen Jahre ist. Es macht auerdem sehr neugierig auf die angekndigten Kollaborationen im Herbst." [Michael We. fr nonpop.de]
"Finally, since five years after their 2003 Gute Nacht Berlin on Albin Julius HauRuck!, here is the long-awaited full-length solo CD from this most well-known Russian industrial project worldwide. Deprivatio is a sad story of a person surrender to the enemy environment, its about idle struggle with time and fatigue, about constant withering of passions and imminent vitality deprivation. Being maybe the most hopeless and sad work for the band, this album is paradoxically their most rhythmic and dynamic. There are more noisy drum loops and electro sounds here than martial drum patterns and old school noise, but their unique deep and profound melodic main themes are still remain as the basement for the brilliant new tracks of despair and downfall. The ascetic b&w artwork was done by Murad Ibatullin known for the recent Iznutri compilation. The release comes as a jewel box with 6 panel booklet, the first 100 copies come with 33x21 two sided poster." [label info]
"... Reutov ist eine von Moskaus kleinen Satellitenstdten, die haupt-schlich aus Industrieanlagen besteht. Ihr wird von den Band-mitgliedern, die alle in der Nhe leben, eine ganz besondere Atmosphre zugeschrieben, die man beim Hren der Musik als trbe Industriemelancholie zwischen Zerfall und Science Fiction begreifen knnte; eine Stimmung, wie sie in Deutschland manche alte Hfen oder Gterbahnhfe ausstrahlen. Ein Faible fr den Klang der deutschen Sprache, das sich auch in vielen deutschen Songtiteln ausdrckt, hat aus dem 'v' am Ende der Stadt das doppelte 'f' fr den Bandnamen werden lassen.
Wie immer ist auch dieses REUTOFF-Album eine Antwort auf die Frage, wozu eigentlich Dark Ambient erfunden wurde. Die fantastisch-dstere Stimmung erwchst stets aus der Musik der Russen selbst, und nicht wie bei vielen Genrekollegen aus den groen Worten, die begleitend zur Musik gemacht werden. Aber endlich eine Vernderung "Deprivatio" ist nicht mehr so durchweg archaisch wie noch die ersten Arbeiten, es ist ebenfalls nicht mehr so homogen industriell wie die beiden letzten Alben "Unseen Rituals" (2002) und "Gute Nacht, Berlin!" (2003). Die neue CD ist die bislang dynamischste, abwechslungsreichste, aufregendste und futuristischste Verffentlichung von REUTOFF.
Hypnotisch ist der Beginn. Zum Dauerloop eines Kindersummens gibt eine rauchige, weibliche Sprechstimme auf Englisch Anweisungen, was zu tun ist: "Stellen Sie Sich vor, Sie sitzen in einem riesigen Theater mit schwarzen Sitzen und knnen nur eine einzige Sache sehen..." So dster und geheimnisvoll die ersten Sounds, so beruhigend sind die Worte. Spter passt sich die Musik an und entspannt sich Richtung Downbeat, garniert mit verhuschten Mnnerstimmen und noisigen Geruschen. Der Opener bereitet die futuristische Atmosphre, die das ganze Album durchzieht. Noch hufiger im Verlauf der knapp 73 Minuten kommt sich der Hrer vor, als wrde er durch einen von STANISLAW LEM entworfenen Park lebender Maschinen wandern. Auch das intelligente Songwriting wenn man bei einem zehnmintigen Dark Ambient-Track davon berhaupt sprechen kann offenbart sich gleich zu Beginn. berraschungen wie eine eingeflochtene und beinahe folkige Akustikgitarre sowie versteckte und vertrackte Melodien und Rhythmen machen aus einem langen auch einen sehr abwechslungs-reichen Soundteppich. Es folgt ein eher klassisches Dark Ambient/Noise-Stck, dessen Drones in Verwandtschaft zu SAL SOLARIS gleien und schimmern wie Sonnen im Weltall. Groes Kino, im wahrsten Sinn des Wortes, denn REUTOFF-Alben werden immer gerne mit der Stimmung von Filmmusiken oder Filmen unter anderem "Stalker" von TARKOWSKIJ verglichen. Und selten traf dieser Vergleich so zu wie bei "Deprivatio", auch bedingt durch die technisch hervorragende, satte Produktion.
"American Whores" geht dann wieder einen gnzlich anderen Weg. Die Collage bringt zu einem Bass, der auch MASSIVE ATTACK oder MOBY alle Ehre machen wrde, ganz unterschiedliche Samples zusammen. Musik der 1920er-Jahre, fast eine Minute lang solo. Dazu verdichten sich die Trainerin eines Fitnesskurses und ein Kirchenprediger mit Chor in Kombination mit dem Namen des Songs zu einer infernalischen Amerikakritik. Nie wirken solche Samples belanglos, sie untersttzen bei REUTOFF immer die Atmosphre des Tracks.
Auch der einzige deutsch betitelte Song, "In Die Leere Gehen", ist eines der Highlights: Hier ein strahlendes Universum mit synthetischen Engelschren, dort dstere Gewittercluster, die glauben machen, dass sich die Hlle ffnet fehlt nur noch ein Sample von Luzifer persnlich. "Sun Of Sleepless" ist mit seinen knallenden und knirschenden Beats eine weitere Empfehlung fr die Macher des nchsten Endzeit-Streifens; mit laut wehenden Fahnen geht die Welt unter. Und zum Abspann verglht "25-th Hour" wie die letzte Moll-Hoffnung eines im futuristischen Kerker eingesperrten VANGELIS. Fr so viele Hhepunkte bersieht man gerne die wenigen schwcheren Momente, etwa die Mischung aus Ethno und Dark Ambient mit piepsigen Loops menschlicher Gerusche ("Nemesis").
Alles an "Deprivatio" atmet russische "Metropolis"-Atmosphre. Das Individuum zwischen Experiment, grenwahnsinniger Industrie, Verlassenheit und Zerfall. Damit ist die neue REUTOFF-Verffentlichung lngst nicht mehr nur ein Stimmungsbericht aus Reutov, sondern ein Abbild des neuen, modernen Russlands. Genreuntypische Experimente, die gekonnte Verknpfung diverser Samples und Abwechslung in Tempo und Klangbild sorgen dafr, dass "Deprivatio" eines der besten und ausdrucksstrksten Dark Ambient-Alben der vergangenen Jahre ist. Es macht auerdem sehr neugierig auf die angekndigten Kollaborationen im Herbst." [Michael We. fr nonpop.de]
"Finally, since five years after their 2003 Gute Nacht Berlin on Albin Julius HauRuck!, here is the long-awaited full-length solo CD from this most well-known Russian industrial project worldwide. Deprivatio is a sad story of a person surrender to the enemy environment, its about idle struggle with time and fatigue, about constant withering of passions and imminent vitality deprivation. Being maybe the most hopeless and sad work for the band, this album is paradoxically their most rhythmic and dynamic. There are more noisy drum loops and electro sounds here than martial drum patterns and old school noise, but their unique deep and profound melodic main themes are still remain as the basement for the brilliant new tracks of despair and downfall. The ascetic b&w artwork was done by Murad Ibatullin known for the recent Iznutri compilation. The release comes as a jewel box with 6 panel booklet, the first 100 copies come with 33x21 two sided poster." [label info]