THIS HEAT — Deceit

Format: CD
Label & Cat.Number: This Is 2
Release Year: 2006
Note: re-issue from second regular LP from 1981. Remastered 2001
Price (incl. 19% VAT): €14.00

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Re-issue from second regular LP from 1981. Remastered 2001. A milestone of experimental music.

"...Im Vergleich zum Debut ist "Deceit" - was Betrug oder List bedeuten kann (Melodieselige und Neoprogger also vorsicht!), aber auch, wenn man den Titel ein paarmal schnell hintereinander auspricht, den Bandnamen ergibt - etwas songorientierter und weniger laut geraten. Um Betrug geht es in der Tat auf dieser Scheibe, zumidest stellenweise. So thematisiert "Makeshift Swahili" z.B. (unter anderem) die Vertreibung der nordamerikanischen Indianer und um die davor gemachten Versprechen. In "Independence" wird der Text der amerikanischen Unabhngigkeitserklrung "kritisch" vertont. Zeitkritik unter dem Motto "history repeats itself" - der Anfang von "Cenotaph" - steht hier im Mittelpunkt, auch auermusikalisch, so ist z.B. "Suffer Bomb Disease", der Titel des letzten Tracks, in japanischen Schriftzeichen abgedruckt. Ansonsten sind die Texte recht kryptisch und mitunter schwer zu entrtseln, wie auch die dazugehrige Musik.
Im Vergleich zum Erstling ist "Deceit" also nicht mehr so extrem und laut, ist reduzierter, dafr aber subtiler. Die industrialartigen Momente sind nicht mehr vorhanden, oder besser, sie sind verndert worden. Klang es auf "This Heat" mitunter nach einem Dampfhammer, so erweckt die Musik auf "Deceit" eher den Eindruck eines Uhrwerks, ein rhytmisch-monotones Klappern und Klopfen, das in seiner repetitiven Motorik am ehesten noch an Can erinnert ("Paper Hats" z.B., das nicht nur vom Titel her Erinnerungen an "Paperhouse" von "Tago Mago" weckt). Fr diesen Effekt ist einmal mehr Haywards metronomenhaftes, aber gleichzeitig unglaublich vielseitiges und abwechslungsreiches Schlagzeugspiel verantwortlich. Dazu kommen Bullen und Williams, die hauptschlich Tne, die ihren Ursprung in Gitarre und Bass haben, beisteuern, verfremdet, mehrfachst bereinandergelegt und durcheinander gemischt. Aber auch Klarinetten- und Keyboardklnge gibt es hier zu hren, ebenso fast unkenntlich gemacht, zusammen mit einer Myriarde anderer Sounds, Sprachfetzen und Gerusche, deren Ursprung kaum zu erahnen ist. Bullen und Hayward besingen die Stcke oft gemeinsam, in gleich - oder auch gegenlufigen, einander kontrastierenden Gesangslinien. Auch die Art und Weise zu singen ist sehr verschieden. Bullen singt die Texte recht emotionlos-gleichfrmig vor sich hin, whrend Hayward durchaus Melodien von sich gibt, mitunter aber sehr schrg und fast verzweifelt kreischt ("Paper Hats", "Makeshift Swahili"), damit aber unglaublich intensive Emotionen freilegt. "Radio Prague", "Triumph" und "Suffer Bomb Disease" sind reine, minimalistische Klangkreationen, fast zerbrechliche Music-Concrete-Experimente. Alles auf dieser Scheibe ist schrg und seltsam, gibt aber das Zeitgefl der frhen 80er eindringlich wieder. Aber diese Musik ist zeitlos; wre das Album 15 Jahre spter erschienen, htte es wohl unter Post-Rock-Freaks fr Aufsehen gesorgt. So tat dies die Scheibe in New Wave-Kreisen.
"Deceit" ist eine der wichtigen Scheiben der 80er, mit progressiver Musik einer Avantgarde-Formation, die sich, wie z.B. auch Art Zoyd, Univers Zero, Present, Shub Niggurath oder Fred Frith (und die diversen Formationen, mit denen er ttig war), erfolgreich von ihren 70er-Prog-Wurzeln gelst hatten, um etwas wirklich Neues zu machen." [Babyblaue Seiten]