CURRENT 93 — In Menstrual Night

Format: pic-LP
Label & Cat.Number: HomAleph HOMx7
Release Year: 2024
Note: re-issue of the nightshade-like LP from 1986, for the first time in it's original pic-LP format, performers were: DAVID TIBET, DIANA ROGERSON, HH; JOHN BALANCE, ROSE McDOWALL and others, thematically focused on the menstruation / moon cycle..- "Die Soundkollagen als eine Art Archiv getrumter (und gestorbener) Trume zu sehen, ist eine durchaus naheliegende Assoziation, die Tibets Ideen zu dem Album entspricht.." - comes with signed postcard
Price (incl. 19% VAT): €32.00

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In Menstrual Night was recorded in 1985 by Current 93, who could never be: David Michael Tibet, Hilmar rn Hilmarsson, Steven Stapleton, Diana Rogerson, John Balance, Ruby Tathata Wallis, Keiko Yoshida, Rose McDowall and Bee. The album was mixed by Steven Stapleton, and was originally released as a picture disc on United Dairies / Maldoror (UD022/M) in 1985.


"Das 1985 mit einem mehr als soliden Line-up (neben David Tibet waren das Bee, Diana Rogerson, Hilmar rn Hilmarsson, Keiko Yoshida, Rose McDowall und Ruby Wallis, wobei man v.a. Stephen Stapletons finaler Abmischung Respekt zollen muss) aufgenomme und als Picture Disc auf United Dairies verffentlichte In Menstrual Night nahm im Frhwerk von Current 93 insofern eine Sonderstellung ein, dass es auf die harschen Lrmelenente, die auf Nature Unveiled oder Dogs Blood Rising zu hren sind, weitgehend verzichtet und seinen hrspielhaften Kollagen-Charakter auf subtilere Weise offenbart. Dabei fallen die beiden Stcke Sucking up Souls und To Feed the Moon aber kaum weniger bengstigend aus.

Das einundzwanzigmintige Sucking up Souls basiert berwiegend auf dem Einsatz von (in der Mehrheit weiblichen) Stimmen, die zu einer unentwirrbar wirkenden Kollage montiert sind. Dabei ist die Vielfalt der Performance von Gesang ber Spoken Words bis zu gespenstischem Flstern beeindruckend: Den Auftakt macht ein liturgisch anmutender Sopran, der sich schon bald mit anderen klassischen Gesngen berlappt und mit ihnen zusammen verquere Ornamente entstehen lsst. Der Loop einer bellenden Mnnerstimme, die man als Reminiszenz der abgrndigeren Vorgngeralben verstehen knnte, bringt etwas Kantiges ins Bild, bis sie von einem drhnenden Rumoren gepackt und in den Hintergrund gezogen wird. Rasselnde Ketten lassen einen neuen Abschnitt beginnen, in dem verwaschene Chre den Hintergrund bilden fr eine kindliche Stimme, die einen lyrischen Text rezitiert, bis alles verschwimmt und die liturgischen Gesnge wieder an die Oberflche dringen. All diese immer wieder abtauchenden und in der einen oder anderen Weise wieder auftauchenden Motive scheinen stets auf der Suche nach einer adquaten Form zu sein und mssen doch immer wieder ihre Auflsung erleben, die hier in einer Feinsinnigkeit inszeniert wird, die damals wahrscheinlich Standards gesetzt hatte.

Das die zweite Seite fllende To Feed the Moon wirkt im herkmmlichen Sinne musikalischer: Was mit dunkler Drhnung und hellen, entrckten Klangtupfern startet, wird schnell zum melodischen Fundament fr einen fast den ganzen Track durchziehenden tribalen Trommelrhythmus, der das ist der einzige Wermutstropfen immer etwas aufgeklebt wirkt, und zwischen dessen leicht aus den Fugen geratenen Anschlgen sich dann auch wieder Stimmen nach oben schleichen. Neben der kindlichen Stimme (wahrscheinlich Ruby Wallis), die eine Art Kehrreim aufsagt, ist dann auch Tibet etwas deutlicher zu hren. Im Unterschied zum ersten Track ist das Stck vernderlicher und mndet nach einer Phase relativer Ruhe in ein fast rockiges Szenario, das mit etwas Fantasie wie eine Vorstufe zu einem Stck wie Panzer Ruin klingt.

Die Soundkollagen als eine Art Archiv getrumter (und gestorbener) Trume zu sehen, ist eine durchaus naheliegende Assoziation, die Tibets Ideen zu dem Album entspricht, whrend Stapleton die Sounds als Gerusche eines nchtlichen Sanatoriums verstand. Natrlich ffnen Album- und Tracktitel weitere Assoziationen. ber David Tibets Interesse am Menstruationszyklus ist viel geschrieben worden, und in der Tat tauchten damit verbundene Motive, auch in fr Tibet typischer Verknpfung mit anderen Themen, fr lange Zeit immer wieder im Werk von Current 93 auf, und bis heute tragen Verffentlichungen den Mond im Titel. Bei den beiden Stcken auf In Menstrual Night, in denen Seelen aufgesaugt und der Mond gefttert wird, knnte man mutmaen, dass eventuell G.I.Gurdjieff inspirierend war. In dessen kosmologischer Theorie gibt es die Vorstellung, dass der Mond, der wie alle Himmelskrper wie ein lebender Organismus beschrieben wird, in seinem Bestreben, selbst ein Planet zu werden, Energie aus der irdischen Biosphre saugt. Besonders die Seelen der Menschen dienen ihm als Nahrung, und entziehen knnen diese sich dem Sog des Mondes nur durch einen enormen Fokus auf bestimmte esoterische Praktiken. Wer zu passiv und verfhrbar ist und dem hypnotischen Zauber des Trabanten erliegt, endet als Energiequelle fr dessen Planetwerdung. Viele Interpreten haben diese Mythologie als Reflexion ber feminine Energie gedeutet, was dann den Bogen zum Periodenzyklus schlgt zur Frage, ob Tibet sich davon inspirieren lie und wenn ja, wie tiefgehend, gibt es keine Belege. Wundern wrde es nicht.

In Menstrual Night, in dessen CD-Version noch der Nightmare Culture-Track KillyKillKilly (A Fire Sermon) enthalten war, erffnet einen interessanten Seitenpfad in der Diskografie von Current 93, der seine sptere Fortfhrung in Releases wie Faust und in den v.a. mit Andrew Liles produzierten EPs wie The Moons At your Door finden sollte einer Musik, die vielleicht eine viel zentralere Rolle gespielt htte und noch einige elaborierte Resultate hervorgebracht htte, wre das folkig eingefrbte Songformat nicht dazwischen gekommen. Da dies so nicht gekommen ist, sticht In Menstrual Night noch deutlicher hervor. House of Mythology gehen nun zu den Ursprngen zurck und bringen als HomAleph eine neue limitierte Picture Disc des Albums heraus." [African Paper]