TIETCHENS, ASMUS — Marches Funebres
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https://www.aufabwegen.de/at/?p=210
Das zentrale Stck von MARCHES FUNEBRES ist Grnschattiger Nachmittag. Die bereits 1979 als Skizze mit analoger Rhythmusmaschine und Minimoog aufgenommene Komposition (hier als Bonustrack) lie sich mit dem Fairlight CMI nicht realisieren. Es sollte neun Jahre dauern, bis der technische Standard der Audiplex Studios ausreichte, um die von vornherein geplante Orchesterversion einzuspielen. Mit Hilfe mehrerer Sampler, einer aufwendigen Kompositionssoftware, und nicht zuletzt mit Untersttzung meines Lehrers und Mentors Okko Bekker wurde 1988 das Stck nach wochenlanger Arbeit endlich zum Klingen gebracht. Sptter meinten damals, es klnge ein wenig so, als wolle Django den Bolero tanzen. Ein Urteil, dem ich mich nicht ganz verschlieen konnte. Ich bin gewiss kein Freund seichter Unterhaltungsmusik, aber wenn schon Kitsch, dann auch richtig Kitsch. Insofern stehe ich auch heute noch im nachmittglichen grnen Schatten. Linea 5′ sollte die Balance auf der LP herstellen, etwas hnlich Strenges wie Linea 1 4′ schwebte mir vor. Aber Linea 5′ uferte vllig aus. Im Rausch der Delays und Hallrume verlor ich mich bis zur Erschpfung in erratischen Klanggebirgen, einschlielich Elmsfeuer und Alpenglhen. Und wren nicht irgendwann die Bernhardiner mit den Schnapsfsschen gekommen ich wei nicht, wie diese spt-psychedelische Tour geendet htte. Den Fragen der Sptter verschloss ich mich diesmal.
Mit MARCHES FUNEBRES hatte ich mich zum zweiten Mal auf symphonisches Glatteis begeben. Vorangegangen war die Faircomp-Serie, und es sollte noch ein dritter Versuch folgen: Die Kollaborations-LP E mit Okko Bekker. Das wars denn aber auch. Der Schuster soll bei seinem Leisten bleiben. Dass aber eine LP wie diese berhaupt verffentlicht werden konnte, zeigt, wie gro die Bandbreite des Mglichen 1989 geworden war. Sptestens jetzt, an der Schwelle zu den 90er Jahren taten sich neben dem rasch verblassenden Industrial weite, neue Horizonte auf. Rechner wurden erschwinglich, und die CD begann, das Vinyl zu ersetzen; frische Ideenschbe generierten eine bis dahin ungehrte Musikvielfalt. Der Neustart stand 1989 unmittelbar bevor.
Asmus Tietchens, 2010
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Das zentrale Stck von MARCHES FUNEBRES ist Grnschattiger Nachmittag. Die bereits 1979 als Skizze mit analoger Rhythmusmaschine und Minimoog aufgenommene Komposition (hier als Bonustrack) lie sich mit dem Fairlight CMI nicht realisieren. Es sollte neun Jahre dauern, bis der technische Standard der Audiplex Studios ausreichte, um die von vornherein geplante Orchesterversion einzuspielen. Mit Hilfe mehrerer Sampler, einer aufwendigen Kompositionssoftware, und nicht zuletzt mit Untersttzung meines Lehrers und Mentors Okko Bekker wurde 1988 das Stck nach wochenlanger Arbeit endlich zum Klingen gebracht. Sptter meinten damals, es klnge ein wenig so, als wolle Django den Bolero tanzen. Ein Urteil, dem ich mich nicht ganz verschlieen konnte. Ich bin gewiss kein Freund seichter Unterhaltungsmusik, aber wenn schon Kitsch, dann auch richtig Kitsch. Insofern stehe ich auch heute noch im nachmittglichen grnen Schatten. Linea 5′ sollte die Balance auf der LP herstellen, etwas hnlich Strenges wie Linea 1 4′ schwebte mir vor. Aber Linea 5′ uferte vllig aus. Im Rausch der Delays und Hallrume verlor ich mich bis zur Erschpfung in erratischen Klanggebirgen, einschlielich Elmsfeuer und Alpenglhen. Und wren nicht irgendwann die Bernhardiner mit den Schnapsfsschen gekommen ich wei nicht, wie diese spt-psychedelische Tour geendet htte. Den Fragen der Sptter verschloss ich mich diesmal.
Mit MARCHES FUNEBRES hatte ich mich zum zweiten Mal auf symphonisches Glatteis begeben. Vorangegangen war die Faircomp-Serie, und es sollte noch ein dritter Versuch folgen: Die Kollaborations-LP E mit Okko Bekker. Das wars denn aber auch. Der Schuster soll bei seinem Leisten bleiben. Dass aber eine LP wie diese berhaupt verffentlicht werden konnte, zeigt, wie gro die Bandbreite des Mglichen 1989 geworden war. Sptestens jetzt, an der Schwelle zu den 90er Jahren taten sich neben dem rasch verblassenden Industrial weite, neue Horizonte auf. Rechner wurden erschwinglich, und die CD begann, das Vinyl zu ersetzen; frische Ideenschbe generierten eine bis dahin ungehrte Musikvielfalt. Der Neustart stand 1989 unmittelbar bevor.
Asmus Tietchens, 2010