Drone Records
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GENOCIDE ORGAN - Obituary of the Americas

Format: LP
Label & Cat.Number: Tesco Organisation TESCO 100
Release Year: 2016
Note: last copies of G.O.'s new album, thematically based on South America, the amount of pressed copies was exactly dependent on the amount of received pre-orders;"..a slow creeping, noise-layered journey through some dark hearts. Dark noisy beats are the rhythms for the decay and resistance of those involved, examined out of multiple angles and perspectives..."
Price (incl. 19% VAT): €25.00


More Info

"Genocide Organ have hidden in the jungles, hills, deserts, slums and cities of the Americas for 4 years. Being present on the shores of Panama, in the cardboard areas of El Salvador, the jungles of Guatemala, the drug roots of Bolivia, the human-drug trafficing in Mexico, the just in-justice in no-go areas just across the iron border of the US.
Meeting paramilitares, kommunist guerilla, dining in Fort Benning and getting their final degrees at the School of the Americas.
Trecking regions highly praised for ancient cultures, for individual tourism, the beauty of the landscape and the peaceful inhabitants - but some of these areas turned into nightmares far beyond imagination, they are out of focus of what is happening in places that seem to be of more interest to the european stock market. In fact everything is connected. If you are worthless in a region, you are worthless in all regions.
:Obituary of the Americas: is a slow creeping, noise-layered journey through some dark hearts. Dark noisy beats are the rhythms for the decay and resistance of those involved, examined out of multiple angles and perspectives - the campesino, the elite soldier, the self-defense man, the drug-lord or the comon criminal, with harsh aggressive outbreaks of noise driven electronic assaults - the list could be endless and it is! Today is the same as yesterday, it is world without a tomorrow!" [label info]




"Wenn GENOCIDE ORGAN die Veröffentlichung eines neues Album ankündigen, so ist das ein, um nicht zu sagen: der Feiertag im Jahreslauf der orthodoxen PE-Gemeinde und schickt als solcher ebenso euphorie- wie spannungsgeladene seismische Erschütterungswellen voraus – dies ein Umstand, der im Falle von "Obituary Of The Americas" durch die erstmals praktizierte On-Demand-Kontingentierung zusätzlich verstärkt wurde: So hatte der geneigte Devotee ziemlich genau anderthalb Monate Zeit – nämlich vom 30. September bis zum 15. November 2015 –, um seine Vorbestellung aufzugeben und sich beliebig viele (oh ja!) Exemplare des begehrten Vinyls zu sichern. Nun sind :GO: für ihre rigide Limitierungspolitik im Vinylsegment sowie die damit notwendig einhergehenden, abrupten und rasanten Preissteigerungen ja hinlänglich bekannt, da sich die nach Ablauf der Deadline faktisch produzierte Gesamtauflage im aktuellen Fall aber bei immerhin ca. 1250 Stück einpendelte, dürfte eine gewisse Grundversorgung der Zielgruppe fürs erste gesichert und eine mittelfristige Preisstabilität im halbwegs zivilen Bereich gewährleistet sein. Wie üblich gab's auch diesmal eine exklusive "Recon Unit Edition" des Vinyls (sozusagen die Special Limited Edition der Limited Edition) für alle Inhaber der exklusiven, via TESCO an Direktkunden ausgegebenen, "Worldwide Reconnaissance Patrol Unit"-Karte, bestehend aus einem zusätzlichen Insert auf Fotopapier sowie einer Cassette mit zwei exklusiven Bonustracks (A: "1st. Brigade", B: "130 Degrees") im, mit :GO:-Logo verzierten, Pappschuber. Die CD-Version ist übrigens nicht limitiert und unterscheidet sich vom Vinyl lediglich durch das alternierende Cover-Artwork, ansonsten bestechen beide gleichermaßen durch jene überdurchschnittlich hohe Qualität in Design und Verarbeitung, die man von Produkten aus dem Hause TESCO gewohnt ist.

Doch kommen wir nach solch formalen Betrachtungen zu der ungleich spannenderen Frage, was "Obituary Of The Americas" inhaltlich zu bieten hat. Denn wenn die Messlatte qua kollektiver Erwartungshaltung dermaßen hoch liegt wie im Falle der Mannheimer Gralshüter des Power-Electronics-Genres schlechthin, ist das Risiko, diese zu enttäuschen, bekanntlich nicht minder hoch, und so fieberte auch der Rezensent dem, mehrfach verzögerten, Veröffentlichungstermin (ursprünglich hatte man dafür den Dezember vergangenen Jahres angepeilt, allerlei Schwierigkeiten im Produktionsprozess führten jedoch schlussendlich zu einer Verlagerung bis in die späten Januartage hinein, die CD erschien gar erst Anfang Februar) mit Spannung entgegen. Überdies gehören :GO: bekanntlich keineswegs zu jenen Exponenten der industriellen Zunft, denen ein inflationärer Tonträger-Output nachgesagt werden könnte, und so trug der Umstand, dass das fulminante Vorgängeralbum ":Under–Kontrakt:" seinerseits bereits über vier Jahre auf dem Buckel hat, ein übriges dazu bei, Vorfreude und Spannung seitens des harrenden Publikums im allgemeinen sowie des Autors im besonderen ins Aberwitzige zu steigern. – Und um nicht länger um den heißen Brei herumzureden: von einer Enttäuschung kann nicht ansatzweise die Rede sein, ganz im Gegenteil wurden selbst die kühnsten Erwartungen souverän übertroffen: die altgedienten Recken um WILHELM HERICH und BRIGANT MOLOCH, welch letztere in jüngerer Vergangenheit vorwiegend mit ihrem Zwei-Mann-Nebenprojekt KE/HIL öffentlich in Erscheinung traten, ziehen die Wurst vollumfänglich vom Teller, untermauern mit dem neuen Album einmal mehr ihre konstitutive, stilprägende Ausnahmerolle für das Genre insgesamt und zeigen den Kollegen ohne Wenn & Aber, wo der Bartel tatsächlich den Most holt: am schönen Neckar nämlich!


Man kann es nicht anders sagen: "Obituary Of The Americas" ist ein Brett, das seinesgleichen sucht, und nach mehrfachem, konzentriertem Durchhören ist der Autor dieser Zeilen ernsthaft geneigt, die Scheibe mindestens zur besten Veröffentlichung der Band seit der Jahrtausendwende zu küren – um sich nicht in noch hochgradigere Superlative zu versteigen. Hier stimmt einfach alles, es findet sich kein einziger Lückenfüller weit und breit, die Atmosphäre ist so dicht, so intensiv, so distanzlos, dass man bisweilen Gefahr läuft, in Schnappatmung zu verfallen, der Sound kommt dermaßen kompromisslos und brutal daher, dass dem Rezipienten beim Zuhören buchstäblich die Spucke wegbleibt. Überdies atmet das gesamte Album eine mal mehr, mal weniger subtile, immer wieder auch offen ausbrechende, bisweilen fast ins Panische kippende, hysterisch-aggressive Grundstimmung, die beispiellos ist und der zugrundeliegenden Thematik in vollem Umfang Rechnung trägt: "Genocide Organ have hidden in the jungles, hills, deserts, slums and cities of the Americas for 4 years", klärt uns der Promotext in dieser Hinsicht auf: "Being present on the shores of Panama, in the cardboard areas of El Salvador, the jungles of Guatemala, the drug roots of Bolivia, the human-drug trafficing in Mexico, the just in-justice in no-go areas just across the iron border of the US. Meeting paramilitares, communist guerilla, dining in Fort Benning and getting their final degrees at the School of the Americas." Dementsprechend arbeitet man mit überdurchschnittlich vielen Samples lateinamerikanischer Provenienz, was die Aufschlüsselung des – wie gewohnt außerordentlich komplexen und vielschichtigen – kontextuellen Hintergrundes für denjenigen, der des Spanischen nicht mächtig ist, zusätzlich kniffelig macht, dem Ganzen jedoch eine packende Authentizität und irrlichternde Aggressivität verleiht, die in dieser Intensität selbst für GENOCIDE ORGAN außergewöhnlich ist.

Das komplette Album nun Stück für Stück durchzusprechen, erscheint angesichts des Umstandes, dass es sich über die gesamte Spielzeit kontinuierlich auf höchstem Niveau hält, einigermaßen müßig: ein harscher, wuchtiger, brutaler Kracher jagt den nächsten, ohne dass dem Hörer auch nur der Ansatz einer Verschnaufpause zugestanden würde; die Verzahnung von Sound und eingeflochtenen Samples ist lückenlos dicht und transportiert dergestalt einen radikalen Eindruck jenes apokalyptischen Terrors, der für den zweigeteilten amerikanischen Kontinent so charakteristisch geworden ist: "Dark noisy beats are the rhythms for the decay and resistance of those involved, examined out of multiple angles and perspectives - the campesino, the elite soldier, the self-defense man, the drug-lord or the comon criminal, with harsh aggressive outbreaks of noise driven electronic assaults - the list could be endless and it is! Today is the same as yesterday, it is world without a tomorrow!", so umreißt der Promotext den für das aktuelle Album maßgeblichen Kurs weiter, und der wird kompromisslos und konsequent beibehalten. Programmatischer Anspruch kann wohl auch der, nicht umsonst auf dem CD-Insert auftauchenden, Zeile "Now your mind is in our hands, our hands are in your mind" zugesprochen werden, die jene unauflösbare Wechselwirkung von Bewusstseinskontrolle, kollektivem Wahnsinn und grassierender Gewalt auf den Punkt bringt, die für den apokalyptischen status quo maßgeblich ist. Bezeichnenderweise handelt es sich bei dem Track "Plastic Vests", dem die fragliche Passage entnommen ist, auch um das einzige Stück, in dessen Verlauf die Vocals insgesamt so klar und deutlich zu verstehen sind, dass die Aufmerksamkeit des Hörers ganz von alleine auf den, von BRIGANT MOLOCH mit kalter, schneidender, von jeder Emotion bereinigter Stimme vorgetragenen, Text fokussiert bleibt, der mit den desillusionierenden Worten endet: "We won't disappear – but you ..."


GENOCIDE ORGAN legen mit "Obituary Of The Americas" ein kompromissloses Ausnahmealbum vor, dessen ganz allgemein überragende Qualität, thematische Dichte, inhaltliche und formale Kohärenz sowie musikalische Kompromisslosigkeit kaum Vergleiche zulässt, selbst wenn man auf das musikalische Schaffen der Band selbst zurückblickt. Zwar entsprechen die bearbeitete Thematik und der letzten Endes freilich unverkennbare, klassische :GO:-Sound durchaus dem, was man von den fantastischen Vieren aus dem Südwesten der Republik erwarten darf, doch erreicht die ästhetische Verschmelzung von Botschaft und Ausdruck, Form und Inhalt, Zweck und Mittel im Falle von "Obituary Of The Americas" eine Konsequenz und Perfektion, wie sie der Freund des gepflegten akustischen Gemetzels schon lange, lange, viel zu lange nicht mehr vor den Latz geknallt bekommen hat. Dem Rezensenten bleibt hier einzig die dankbare Aufgabe übrig, sein verbales Weihrauchkesselchen angemessen emsig zu schwenken – auf dass es nur so krache und scheppere..."
[Endsal / NON-POP]



"Genocide Organ (featuring members of the aQ noise favorites Anenzephalia and Ke/Hil) is a stalwart German industrial / power electronics outfit who have been active since the late '80s and have married a confrontational iconography of war and fascism with an uncompromisingly brutal take on electronic noise. Since the days of Throbbing Gristle and SPK, this dialectic between control and its attempted dismantling through noise as a principle for industrial culture has not been an easy one to parse, often leading to accusations of fascism. The political aesthetic of Genocide Organ leads them to overlay political rants, barked declarations of warmongering, and non-descript screams into the sky (all of which are appropriated) amidst their beds of atonal electronics, squalls of feedback, barren rhythmic plod, and their own monotone sermons on social and economic woe. It all makes for a harrowing and unsettling body of work (exemplified here on the Obituary Of The Americas, which looks mostly to South and Central America as the operating theatre of choice) in which the politics of upheaval do not come to resolution through revolution from either left or right, but situate within a continuum of human conflict and bloodlust. The world can be a fucking bleak place." [Aquarius Rec.]